Expertentag "Nachhaltigkeit im Bauwesen"

 

Am 25. Januar 2021 wurde auf Initiative von Saint-Gobain und der RWTH Innovation GmbH ein Expertentag zum Thema “Nachhaltigkeit im Bauwesen“ digital ausgerichtet. Insgesamt über 90 interessierte Fach- und Führungskräfte des Konzerns haben sich im Rahmen von 5 Referaten über neueste Erkenntnisse ressourcenschonender Maßnahmen, die an der RWTH Aachen University entwickelt bzw. propagiert werden, informiert. Unser Oberingenieur Alexander Feil hat auf der Veranstaltung zum Thema „Sekundäre Baurohstoffe – Neue aufbereitungstechnische Herausforderungen“ referiert.

In seinen Ausführungen verwies er darauf, dass die Hochwertigkeit der erzeugten Recycling-Produkte neben der Qualität des Inputmaterials vor allem von der technischen Tiefe der Recyclingmaßnahmen bestimmt werden. Häufig wird aus Kostengründen auf Sortierstufen verzichtet. Entsprechend niedrigschwellig aufbereitete Recycling Materialien können dann aufgrund begrenzter Qualitäten nur in einfachsten, ungebundenen Anwendungen (z. B. als Tragschichten im Straßenbau) eingesetzt werden. Höhere Qualitäten sind durch Abscheidung der üblicherweise in Rückbaumaßnahmen anfallenden Fremdstoffe wie z. B. Holz, Kunststoffe, Asphalt, Gips, erzielbar. Als Ergänzung zu Sichtstufen kann dabei durch sensorbasierte Sortierung eine zusätzliche Qualitätsverbesserung erfolgen. Bei der Prozessgestaltung muss allerdings berücksichtigt werden, dass für gute Sortierleistungen unbedingt eine über die Siebklassierung hinausgehende Vorkonditionierung bereitgestellt wird; dies betrifft vor allem die Manipulation des Stoffstroms in der Weise, das sowohl eine sensorische Einzelkornerfassung als auch eine Einzelkornabscheidung eingehalten werden kann. Voraussetzung hierfür ist die Vereinzelung des Stoffstroms vor dem Detektor mit zusätzlichem Abstand der Partikel zueinander. Ergebnisse aus einem EU- Forschungsvorhaben zeigen, dass bei Durchsätzen von bis zu 10 t/h Fremdstoffe wie Gips mit bis 85 % Ausbringen zuverlässig ausgetragen werden können.

Hauptsächliche Hemmnisse für einen Einsatz der Sensortechnik im Bereich sekundärer Baustoffe stellen allerdings die erforderlichen hohen Masseströme sowie der im Regelfall geringe Marktwert der erzeugten Produkte dar. Während diese Herausforderungen einen wirtschaftlichen Einsatz dieser Technologie in Deutschland derzeit nicht erwarten lassen, existieren im Ausland bereits erste Baustoffaufbereitungsanlagen, die erfolgreich mit Sensortechnologie arbeiten. Mit Blick auf die perspektivisch zu erwartende Verknappung hochwertiger Kies- und Sand- bzw. Festgesteinslagerstätten ist aber zu erwarten, dass es zukünftig einen wachsenden Markt für hochwertige sekundäre Baurohstoffe geben wird. Im Zuge der politisch angestrebten Kreislaufführung könnte durch den Einsatz von Sensortechnik zumindest ein Teil der bislang jährlich EU-weit anfallenden, rund 1 Mrd. t Baurestmassen einer dann hochwertigeren Verwertung zugeführt werden.